Phuket, Thailand

Kontinent: Asien
Land: Thailand
Region/Destination: Phuket

Patong, Bangla Road

Patong – wie die meisten Reisenden hatte auch ich schon viel über diesen Ort gehört. Nun verbrachte ich meine Ferien auf Phuket, an einem schönen, ruhigen, kleineren Strand im Süden der Insel. Patong war gut 20 Minuten entfernt. Einen Ausflug dorthin, sozusagen als Kontrastprogramm, hatte ich eingeplant.

 

Jetzt war ich da, mittendrin, auf der Bangla Road, dem Epizentrum dieses ‚Sündenpfuhls’, abends um zehn Uhr. Nach dem Eindunkeln war die Strasse für den motorisierten Verkehr gesperrt worden und nur noch für den Personenverkehr offen. Dies in allen denkbaren Formen und Variationen. Ich hatte aber keine Absicht, ganz einzutauchen, wollte mich nur an der Oberfläche treiben lassen. Allerdings war dies gar nicht so einfach. Es gibt wohl auf der ganzen Welt nur wenige andere Orte, an denen man ähnlich massiv vereinnahmt wird.

 

Hier will mir jeder/jede etwas verkaufen – auf kreative, aufdringliche oder raffinierte Art. Selbstgebastelte kleine Schilder werden mir vor die Nase gehalten, junge Frauen stellen sich mir in den Weg und wollen mir einen Platz in der nächsten Bar, im nächsten Club anbieten. „Foto?“ Ich werde mit Fragen bombardiert. „Where do you come from?“ Am raffiniertesten sind jene, die mir ihre Hand zum Gruss entgegenstrecken und so eine Verbindung schaffen wollen. Schwierig, sie nicht anzunehmen. „Parlez vous francais?“ Beinahe wäre ich darauf reingefallen. Einfach weiter gehen ist meine Taktik, vorbei am Mann mit dem Äffchen auf dem Kopf, den Ladyboys, die mir zuzwinkern oder der Transe mit den gigantischen Schaumstoff-Brüsten, die möchte, dass ich mich mit ihr fotogra-fieren lasse. Ein nächstes Schild wird mir entgegen gestreckt. Ich lese es nicht im Detail, verstehe aber, dass hier ‚Ping Pong’ eine völlig andere Bedeutung hat. Und alles wird begleitet von einer Kakophonie von Lärm, Stimmengewirr und Musik aus allein Richtungen. Ich gebe auf, flüchte in den ‚Tiger-Club’, ein riesiges Lokal mit vielen Bars und noch mehr Thailänderinnen, die ihre Künste in Pole-Dance vorführen. Kaum habe ich an meinem Drink genippt, will man mir schon den nächsten verkaufen. Alle wollen permanent etwas von mir und das sind meine europäischen Devisen. Money makes the world go round. Selten war mir dies so klar vor Augen geführt worden, wie hier in Patong. In diesem Ameisenhaufen, in dem es nichts gibt, was es nicht gibt, dreht sich alles ums Geld. Für was alles man es hier ausgeben kann und welche Art Triebe man damit befriedigen kann, bekam ich nur ansatzweise mit. Aber es hatte gereicht, um den Eindruck zu erwecken, an einem der speziellsten Orte der Welt gewesen zu sein.

 

R. Marty, Dezember 2013