Disneyworld auf Umwegen

Bildquelle: Wikipedia
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Verlockend günstige Tickets

Die Reise ins Disney-Kingdom in Orlando (Florida)war für diesen besonderen Tag im Juni 2013 geplant. Es war nämlich der vierte Geburtstag unserer Tochter. Als ich im Best Western Hotel am Desk die exorbitant teuren Tickets für meine Familie lösen wollte, machte man mir dort ein verlockendes Angebot. Wenn wir der Firma Wyndham zwei Stunden unserer wertvollen Zeit widmen, erhalten wir für die Disneytickets eine Ermässigung im Betrag von weit über 100 $. Wie man mir versicherte, ging es um Hotel- und Ferienanlagen der genannten Firma. Die Neugier nach dem Neuen war bei mir wohl noch eine Spur grösser als die eigentliche Kostenersparnis. Deshalb liess ich mich auf dieses Angebot ein.

 

An der Angel

Am nächsten Tag wurden wir vor dem Hotel von einem Bus abgeholt und an die Zentrale von Wyndham gefahren. Bevor wir das Gebäude betreten konnten, mussten wir unsere Pässe zeigen und mehrere Fragen zu unseren Einkommen usw. beantworten. Dies behagte mir eigentlich schon gar nicht, doch wir waren jetzt mitten drin in diesem kleinen Abenteuer und das wollten wir auf jeden Fall zu Ende bringen. Also füllten wir die Formulare aus und durften dann eintreten. Sämtliche Ehepaare (mit Kinder) erhielten persönlich einen ausgewiesenen Verkaufsberater zugeteilt. Grüppchenweise führten sie uns in eine Cafeteria, wo wir mit Getränken und Snacks versorgt wurden. Abwechslungsweise kamen verschiedene Mitarbeiter von Wyndham an die einzelnen Tische und sorgten für gute Stimmung. Mit Komplimenten betreffend unserer Herkunft und unserer Tochter wurde nicht gespart. Die gute Laune wurde geradezu inflationär in guter amerikanischer Manier und Bekanntheit verbreitet.

 

In der amerikanischen Verkaufsmühle

Uns wurde dann nach der Aufwärmphase und der folgenden Fragestunde zu unseren Hobbies, Interessen, Wünsche, Träume usw. das Timesharing-Modell erläutert. Ehrlich gesagt habe ich mich bis dahin noch nie mit dem Thema „Ferienwohnrecht“ beschäftigt. Doch jetzt musste ich es wohl, ob ich wollte oder nicht. Wir waren alles andere als mit der Absicht nach Orlando gekommen, einen Vertrag zu unterschreiben. Schliesslich waren wir ja auf Disney fokussiert und nicht auf den Erwerb von Immobilien. Was jetzt aber folgte, war der reinste Spiessrutenlauf. Unser Verkaufsberater stiess bei uns allerdings bald an seine Grenze, weil wir keineswegs bereit waren, uns für Timesharing anwerben zu lassen. Darauf folgte der Supervisor. Ob auf Spanisch oder Englisch, wir wurden von allen Seiten weiter bearbeitet. Die Abneigung gegen uns unwillige Vertragsunterzeichner war ihnen sprichwörtlich ins Gesicht geschrieben. Als sie endlich nach über einer Stunde des Bearbeitens einsahen, dass mit uns keine Geschäfte zu machen war, kam dann der vierte Angestellte an den Tisch und servierte uns mehrere Formulare von Verzichtserklärungen jeglicher Hinsicht, die wir  unterschreiben mussten. Sie wollten sich absichern, dass im Nachhinein keine Schadenersatzklagen oder sonstiges eintreffen.

 

Endlich wieder frei

Unhöflich und ohne sich von uns zu verabschieden wurden wir zu ihrem Verkaufsdesk beim Ausgang befördert. Dort konnten wir endlich unsere Tickets für den Disneyeintritt beziehen und bezahlen. Danach wurden wir ohne „wenn und aber“ an die frische Luft auf Nimmerwiedersehen befördert. Das war unsere hautnahe Erfahrung mit Wyndham, Timesharing und den amerikanischen Verkaufsmethoden. Jetzt konnten wir endlich mit grosser Verspätung ins Disney gehen und den Geburtstag unserer Tochter feiern. Ein Intermezzo, auf das ich gerne verzichtet hätte, wenn ich im Vorfeld von diesem Geschäftsmodell gewusst hätte. 


Reinhard Blum, Juni 2013