Madrid, Spanien

Kontinent:  Europa 

Land: Spanien

Region/Destination: Madrid

De Madrid al cielo – Von Madrid in den Himmel

„¡De Madrid al cielo!“ (Von Madrid in den Himmel!) nicht mehr und nicht weniger besagt der Leitspruch der höchstgelegenen Hauptstadt Europas (3,2 Millionen Einwohner, 2015, 7 Millionen mit Agglomeration) und am schnellsten gelangt man in diese Metropole aus Zentraleuropa her kommend natürlich über die Himmelsroute per Flugzeug. Der Kulturhungrige gelangt vom Flughafen Barajas am bequemsten per Metro, S-Bahn, aber auch Bus oder gar Taxi ins Zentrum und die definitive „Landung“ im Nabel der spanischen Geografie an der Puerta del Sol („Kilómetro Cero“, Messpunkt am Boden markiert) ist wärmstens empfohlen. Auch Hotels sind dort in der Nähe zu Hauf auszumachen. Das historische Zentrum, inklusive Gran Vía, offeriert die Wahl unter weit über 50 Hotels aller Preisklassen. Der Orientierungspunkt „Sol“ zwischen der Plaza Mayor und Callao ist also der ideale Ort, um definitiv abzuheben, z.B. in den Himmel der Gastronomie, vom rustikalen „Cocido“ (Eintopf mit Siedfleisch) bis zu den erlesensten „Tapas“ (Häppchen) ohne auf die Spezialitäten jeglicher Provinz („Autonomía“) Spaniens oder auch internationaler Küchen verzichten müssen.

 

Im Vorhimmel konzentriert sich das Beste! Der Schmelztiegel Madrid hat seit seiner Gründung am Fluss Manzanares durch Mohammed I. im 9. Jh. und vor allem seit der Verdrängung Toledos als Hauptstadt des grössten Weltreiches im 17. Jahrhundert (Philipp II von Habsburg) immer das Beste aus der ganzen iberischen Halbinsel angezogen, manchmal gar mit Gewalt. So entdecken wir heute das Beste der köstlichen galizischen Küche, süffigen Most aus Asturien, Weine aus allen Gegenden, auch Jerez etc., aber auch kulturelle Erlesenheit aus Kunst, Theater, Musik, Oper (Zarzuela), Kleinkunst, Tanz, inklusive hochstehenden Flamenco (auch Flamenco-Schulen) in Madrid wie Sterne am Himmel.

 

Der Rahmen dieses bescheidenen Artikels würde in einer reinen Aufzählung enden, möchten auch nur die Sehenswürdigkeiten aufgeführt werden. Von der Puerta del Sol aus anerbietet es sich natürlich, zuerst den historischen Altstadtteil des „Madrid de los Austrias“ zu Fuss zu erkunden: Ja das Madrid der Habsburger (jener Edelleute von der gleichnamigen Burg auf dem Wülpelsberg im Aargau) ! Das heisst zuerst den „barrio“ (Stadtteil) südlich der Metrostation Sol bis hin zur Station Opera (hin zum Palacio Real) auszukundschaften, bevor man sich demjenigen der Bourbonen und der moderneren Quartiere zuwendet.

 

In bequemem Umkreis des Plaza Mayor (Palacio de Santa Cruz, Plaza de la Villa) und auf der Plaza selbst finden sich Restaurants, Kaffees, Bars, Tavernen (darunter auch schummrige in verwinkelten Backstein-Kellergeschossen) wo man „ir de bares“ in Saus und Braus, aber auch gediegenes Verweilen und reinen Augenschmaus praktizieren kann.

 

Gleich im Anschluss an den Plaza Mayor findet man auch den schick renovierten Mercado de San Miguel mit Leckerbissen bis Mitternacht (Donnerstag - Samstag bis 2h morgens). Sonntags können sich Antiquitätenliebhaber, Sammler und Rummelsüchtige ab dem Plaza bis zur Puerta de Toledo „schon“ ab 9 Uhr morgens am pittoresken, einzigartigen Trödlermarkt “El Rastro” ergötzen.

 

In ganz Madrid isst man gut, dies ist gewährleistet: Besonders reizvoll ist aber die Plaza Santa Ana (u.a. Cervecería Alemana) westlich von der Plaza Mayor. Die ganze Zone von dort bis zum Stadtpark El Retiro wartet darauf erwandert, bzw. flanierend entdeckt, zu werden. Im Nu steht man vor dem einzigartigen Kunstmuseum El Prado (Lichtvoll renoviert, mit Cafetería), welchen Besuch man auf der Achse Atocha – Cibeles, beide mit sehenswerter Architektur (Bahnhof, ursprünglich Post) unbedingt mit denjenigen der Museen Reina Sofía, CaixaForum und Thyssen-Bornemisza ergänzen und mit den Geheimtipps Círculo de Bellas Artes (Terrasse!) und Real Academia de San Fernando auf dem Rückweg zum „Sol“ krönen sollte. 

 

Tatsächlich stehen viel sehenswerte Museen “im Schatten” des Prados, denn neben den beiden letztgenannten Museen empfehlen sich auch: das Museo Sorolla, Museo Cerralbo (klein aber üppig), Museo del Romanticismo, die Fundación Mapfre und die Fundación Juan March (beide mit vielen Aktivitäten) und warum nicht das städtische Museo de Arte Contemporaneo (zeitgenössische Kunst).

 

Dann ergibt sich wie natürlich die Erkundungsachse Cibeles-Alcalá – Recoletos - (Café Gijón) – Colón - Castellana bis Bernabeu etc. inklusive Wolkenkratzer (Aussicht), inklusive mondänem Barrio Salamanca (Museo Arqueológico: Replik der Höhle von Altamira – bis 19. Jh., Biblioteca Nacional mit Ausstellungen wie auch Juan March). Dabei sollte sich der Fussballfreund natürlich einen Match im Fussballstadion von Real Madrid (85 000 Plätze) nicht verkneifen. Dann weiss man(n) endlich, wie sich ein „kochendes Stadion“ anfühlt. Natürlich kann der Weg dorthin auch per Metro oder Bus abgekürzt werden.

 

Dem Atlético-Anhänger anerbietet sich das Stadion Vicente Calderón als Alibi und Ausgangs- oder Endpunkt für die neuste, ungewohnteste Stadtwanderer- oder gar Fahrradachse (4 km, für Gwundrige, Sportler und Waghalsige 30 km), was sich stolz „Madrid Río“, das Madrid am (im) Fluss nennt! Für mich ist es schlicht die Goya-Achse: Beginnend  bei San Francisco el Grande (mit Gemälde von Goya) geht diese über das Stadion (s.o.) über den Manzanares zur Ermita de San Isidro (Vgl. Goyas Gemälde im Prado, zugleich grösstes, alljährliches Fest für den Stadtheiligen Isidor), immer dem neu herausgeputzen Manzanares entlang über die Ermita de la Virgen del Puerto (weiter oben die Almudena erblickend, die kürzlich nach 150 J. Bauzeit fertiggestellt Kathedrale) und ebenfalls am Palacio Real / Campo del Moro, links unten Casa de Campo ausmachend, zum Parque del Oeste (Templo de Debod). Am Fusse dieses Parks steht die Einsiedelei, Ermita de San Antonio de la Florida (Kapelle mit Dekorationen und einmaligen Fresken von Goya, inkl. seiner sterblichen Überreste, inkl Kopie der Kapelle, wo noch Messe gehalten wird), welche man als kühlen Höhepunkt betrachten kann.

 

Gleich anschliessend bietet sich eigentlich Casa de Campo als Riesenstadtpark an, aber der Paris-Besucher beginnt ja auch nicht mit dem Bois de Boulogne, also ist der heimelige Retiro, gleich hinter dem Prado die ideale Grünzone, welche auch Ruderpartien auf dem Teich, Kleinkunst, sowie etliche Stadtparkjuwelen (Palacio de Cristal, Kasperlitheater,) offeriert.

 

Ist man einmal in der Gran Vía (ab Alcalá/Cibeles) so sollte man sich neben den Cafés, Restaurants, Theater (Musical), die Telefónica (ehemalige Telefonie), die Casa del libro (N.B. Feria del libro: alljährlich zwei Wochen Bücherschmaus in der Nähe des Prados), Plaza de España (Cervantes-Denkmal) und gegen Abend (gleich über San Antonio de la Florida und Casa de Campo, s.o.) den echt ägyptischen Tempel Debod gönnen (Geschenk Ägyptens für die Assuan-Staudamm-Rettungsaktion). Dieser Ausblick ist sehr einladend und inspiriert zu weiterem Flanieren zur Altstadt zurück. Übrigens existieren da immer noch die arabischen Bäder (Baños Árabes), mitten im Zentrum, wo man es sich wie zu Zeiten der Stadtgründer in einmaligen Räumen nass erquicken kann.

 

„De Madrid al cielo…“ Das Sprichwort hat ja einen zweiten Teil: „y, en el cielo, ¡ un agujerito para verlo!“ (und vom Himmel ein Löchlein um es zu sehen) Eine Madrid-Reise bleibt also sicher in bester Erinnerung ! Fotos der pittoresken Stätten dieser Metropole sind empfohlen und dann sind derein Bewohner, die Madrilenen (span. madrileños) oder „Madrider“ wirklich sehr nett und adrett!

 

Ital von Reding, Juni 2016